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JOSUASGARDEN

–Lichtspur im Jetzt

Wenn das Licht im Inneren neu geboren wird

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Drei innere Bewegungen im Licht der Wintersonnenwende


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Einleitung

An der Schwelle der großen Wende


Es gibt Zeiten, in denen das Leben den Atem anhält. Augenblicke, in denen das Äußere stiller wird, damit das Innere hörbar werden kann. Die Wintersonnenwende gehört zu diesen heiligen Schwellen.

Alles Licht zieht sich zurück, nicht aus Schwäche, sondern aus Weisheit. In der tiefsten Dunkelheit sammelt sich eine Kraft, die keinen Beweis sucht. Sie wartet. Sie reift. Sie weiß um den rechten Moment.


Diese Betrachtung folgt keinem Ereignis im Außen. Sie wendet sich dem zu, was im Menschen geschieht, wenn das Alte verstummt und das Wesentliche neu zu sprechen beginnt. In dieser Stille öffnet sich ein Raum, in dem Wandlung nicht gemacht, sondern empfangen wird – getragen von der Ewigen Liebe.


Die Geburt des inneren Lichtes

Wenn die tiefste Nacht zum Ursprung wird


In der äußersten Verdichtung des Jahres senkt sich das Licht bis an seinen tiefsten Punkt. Die Tage haben ihre Kürze erreicht, die Nacht ihre Weite. Alles Sichtbare scheint zurückzutreten, alles Bewegte still zu werden. Doch gerade in diesem äußersten Rückzug geschieht das Entscheidende. Nicht laut. Nicht sichtbar. Sondern im Verborgenen des Seins.


Die Wintersonnenwende trägt die stille Wahrheit, dass Dunkelheit kein Ende bedeutet, sondern Sammlung. Dort, wo nichts mehr getragen werden kann, beginnt das Leben, sich neu zu ordnen. Das Licht wird nicht gemacht. Es wird geboren. Aus der Tiefe, in der alles Äußere verstummt, erhebt sich ein neuer Anfang.


Diese Wende erinnert an ein inneres Gesetz:

Jeder Mensch trägt einen göttlichen Funken in sich, der nicht vom äußeren Licht abhängig ist. Gerade dann, wenn die Kräfte des Sichtbaren schwinden, wird dieser Funke spürbar. Nicht als Gefühl, sondern als Gewissheit. Das Innere weiß, dass das Leben aus einer Quelle stammt, die kein Winter erreicht.


In dieser Zeit verdichten sich die inneren Räume. Aufmerksamkeit richtet sich auf das Wesentliche. Fragen nach Sinn, Richtung und Wahrheit gewinnen an Gewicht. Nicht, um beantwortet zu werden, sondern um den Menschen tiefer mit seinem Ursprung zu verbinden. Das äußere Jahr kehrt sich nach innen, und das Innere beginnt, neu zu leuchten.


Dass diese Wende mit einer stillen Neuausrichtung zusammenfällt, ist kein Zufall. Ein Punkt wird berührt, an dem alles Persönliche in ein größeres Ganzes eingebettet ist. Ein Zentrum, das nicht außerhalb gesucht werden muss, sondern im Innersten des Menschen widerhallt. Dort, wo das Einzelne seinen Platz im Größeren erkennt, entsteht Ordnung jenseits von Denken.


So spricht dieser erste Impuls von einer Geburt, die nicht gefeiert werden will, sondern erkannt. Von einem Licht, das nicht strahlt, sondern trägt. Von einer Mitte, um die sich alles dreht, auch wenn sie unsichtbar bleibt. In dieser Mitte beginnt der neue Zyklus – nicht mit Bewegung, sondern mit Sein.


Die Berührung des Höheren im Inneren

Wenn das Bewusstsein sich weitet und Maß verlangt


Manche Zeiten tragen eine feinere Qualität in sich. Nicht greifbar, nicht beweisbar, doch spürbar für jene, die nach innen lauschen. Das Bewusstsein wird empfänglicher, durchlässiger für Einsichten, die nicht aus dem Denken stammen. Innere Räume öffnen sich, in denen Wahrnehmung weiter wird und das Gewohnte seinen Halt verliert.


Diese Berührung wirkt nicht spektakulär. Sie zeigt sich oft leise – als Klarheit ohne Ursache, als Idee ohne Ursprung, als innere Bewegung, die nach Ausdruck sucht. Visionäres, Ungewohntes, Eigenständiges kann in solcher Zeit Gestalt annehmen. Nicht als fertige Form, sondern als Keim.

Doch diese Weite verlangt Erdung. Jeder innere Impuls braucht Maß, jede Vision einen Weg. Träume, die nicht geprüft werden, verlieren ihre Wahrheit. Wünsche, die sich nicht klären, verflüchtigen sich. Deshalb wirkt zugleich eine ordnende Kraft, die prüft, was Bestand hat. Sie fordert Geduld, Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, Illusionen loszulassen.


Oft wird zuerst sichtbar, was nicht mehr trägt. Alte Sicherheiten lösen sich. Gewohnte Strukturen verlieren ihre Verlässlichkeit. Abmachungen, innere wie äußere, zeigen ihre Grenzen. Dieser Verlust ist kein Fehler im Gefüge des Lebens. Er ist Vorbereitung. Nur wo Raum entsteht, kann Neues Wurzeln schlagen.


In dieser Phase ist der weitere Weg nicht immer erkennbar. Orientierung erfolgt tastend. Entscheidungen reifen langsamer. Der Mensch wird eingeladen, nicht zu wissen und dennoch zu gehen. Unter der Oberfläche geschieht dabei mehr, als das Bewusstsein erfassen kann. Prozesse ordnen sich neu, Richtungen klären sich von innen heraus.


Mit der Zeit beginnt sich das Bild zu verdichten. Was jetzt noch unklar ist, gewinnt Kontur. Möglichkeiten zeigen sich. Schritte werden erkennbar. Doch nicht durch Drängen, sondern durch Reifung.


So wirkt dieser zweite Impuls als Erinnerung an eine geistige Ordnung:

Höhere Einsicht kommt nicht ohne Verantwortung. Weite braucht Maß. Bewusstsein verlangt Wahrheit. Und jedes Neue will aus einer durchlebten Stille geboren werden, damit es tragen kann – im Leben wie im Inneren.


Das stille Einwohnen des Lichtes

Wenn nichts mehr gesucht werden muss


Nach der tiefsten Nacht und nach der Berührung des Höheren folgt kein weiterer Schritt nach außen. Es folgt ein Innehalten, das nicht leer ist, sondern erfüllt. Das neu geborene Licht drängt nicht. Es möchte wohnen.


In dieser Phase geht es nicht um Erkenntnis, nicht um Vision, nicht um Richtung. Alles Wesentliche ist bereits gegenwärtig. Der Mensch wird eingeladen, sich nicht weiter zu bewegen, sondern zu verweilen. Das Licht, das geboren wurde, will nicht getragen werden – es trägt.


Hier vollzieht sich eine leise Umkehr:

vom Fragen zum Hören, vom Suchen zum Dasein, vom Werden zum Sein. Das Innere ordnet sich ohne Eingriff. Vertrauen entsteht nicht als Gedanke, sondern als Zustand.


Diese dritte Bewegung ist unscheinbar. Sie hinterlässt keine Bilder. Doch sie wirkt am tiefsten. Aus ihr wächst das kommende Jahr, nicht als Vorsatz, sondern als natürliche Entfaltung.

Wo das Licht einwohnen darf, ohne benutzt zu werden, dort beginnt wahre Erneuerung.


Abschließender Schlussbogen

Die Heimkehr in den stillen Grund


So schließt sich der Kreis dieser Wende nicht mit einem Ziel, sondern mit einer Rückkehr. Das Licht, das neu geboren wurde, verlangt keinen Beweis. Es bleibt. Es wohnt im Inneren, jenseits von Hoffnung und Furcht.


Was sich in der Tiefe gesammelt hat, braucht nun keine Bewegung mehr. Erkenntnis darf ruhen. Weitung darf sich setzen. Auch das Nichtwissen findet seinen Platz. In dieser Ruhe ordnet sich das Innere von selbst, geführt von einer Weisheit, die nicht denkt, sondern trägt.


Der Mensch steht nicht vor einem neuen Weg, sondern tiefer in seinem eigenen Grund. Dort verliert die Dunkelheit ihren Schrecken, weil sie nicht mehr als Gegenpol erfahren wird, sondern als Schoß, aus dem Licht hervorgeht.


Beziehung, Wahrheit und Vertrauen finden hier ihre stille Einheit. Nichts wird festgehalten. Nichts wird zurückgewiesen. Alles darf sein, wie es ist, und gerade darin vollzieht sich Wandlung.

So wirkt die Wintersonnenwende als leiser Segen:

Nicht als Aufbruch, sondern als Einwohnen. Nicht als Tun, sondern als Sein. Und aus diesem Sein wächst das Kommende von selbst – getragen von der Ewigen Liebe, verwurzelt im stillen Grund, dem kein Winter und kein Wandel die Kraft nehmen kann.

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